Cellounterricht Aleksander Huber

Methode

Vergleichen wir drei unterschiedliche Ansätze. 

1. Ansatz: <Technik>, Training, <Üben> als Königsweg. Bedeutet, wir lassen Fehlhaltungen und Verkrampfungen stehen und versuchen im Schweiße unseres Angesichts, trotzdem <gut> zu spielen. Wobei wir nicht einmal definieren, was <gut> in dem Zusammenhang bedeutet. 

2. Ansatz: <Physik> oder der Weg der „Logiker“. Eine dünne Saite benötige so und soviel Druck, eine dicke so und soviel. Hohe Töne seien an dieser, tiefe Töne an jener Kontaktstelle zu spielen, ect. . Pfeildiagramme und physikalische Berechnungen werden angestellt, die am Ende nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Der Grund dafür ist folgender: Der meiste Mensch übersieht, dass die Parameter, mit denen er rechnet, "postfaktisch" durchsetzt sind. Er rationalisiert Emotionen, indem er die menschliche Apparatur ausser Acht lässt. Die Struktur und Funktion des Metabolismus führt uns zum  

3. Ansatz. Wir lassen uns von zwei Fragen leiten. a) WAS soll ich tun? b) WIE soll ich tun, WAS ich tun soll? Damit erhalten wir eine Strategie, die die permanente Veränderung der biologischen, physikalischen, energetischen Bedingungen einrechnet, indem sie Soll- und Istwerte aussteuert. Die Optimierung durch Kalibration in einem resonanten Regelkreis bedarf der Unterscheidung echter Daten von [Trojanern], die sich als Daten ausgeben, aber keine sind. Der springende Punkt ist, dass Emotion und Intuition üblicherweise vermischt werden. Intuition ist der unterbewusste Anteil der Vernunft. Emotion ist die Interpretation von chemischen Vorgängen unseres Stoffwechsels. Sie entsteht unabhängig von der Faktenlage und verdrängt die Intuition an der Nahtstelle zwischen Reiz und Reaktion. Positive und negative Emotionen haben denselben Ursprung und daher dieselbe Qualität. Bestenfalls wirken sie zufällig nicht destruktiv. Die Emotion ist kein Fehler der Natur, kann aber zu Fehlern im Verhalten des Menschen führen. Offenbar hat sie sich bisher nicht destruktiv genug ausgewirkt, um aus-selektiert worden zu sein. 

Beispiel: Ein Mensch möchte einen Bach überqueren, in dem in unregelmässigen Abständen größere Steine liegen. Diese sind nass, daher rutschig. Von Etappe zu Etappe gilt es zu entscheiden, ob ein Schritt oder ein Sprung angebracht ist und welchen Ablauf die Bewegung benötigt. Genau an dieser Stelle setzt die Emotion an, die den Protagonisten einerseits „drängt“, zu springen, eventuell weil Zuschauer da sind, und ihn andererseits Angst <fühlen> lässt. Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlentscheidung ist damit sehr hoch. Wie sieht die Alternative aus? Der Mensch, der sich entscheiden muss, erkennt die Emotion. Er verwendet sie nicht für seine Entscheidung. Er tut zunächst gar nichts, re-agiert nicht. Nun kann er agieren, indem er auf die Daten, die die Intuition liefert, zugreift. Er hat jetzt auch die Möglichkeit, den Vorgang abzubrechen und zu sagen, „hier überquere ich den Bach nicht, ich suche mir eine andere Stelle“. Die Emotion <fühlt>, die Intuition [spürt]. 

Wir Cellisten sind uns im Allgemeinen einig, dass Pau Casals (1876-1973) unser technisches und geistiges Vorbild ist. Einer meiner Lehrer hat ihn im Konzert erlebt und beschreibt seinen ersten Ton folgendermassen: „(…) Es war der von Herzenskräften getragene bewegte Ton – ein Ton der vollkommenen Hingabe an das Musikalische, ein Ton der Demut vor dem Geschenk einer höheren Welt. (…)“  Die strategische Anweisung, die Casals gibt, liest sich diametral gegensätzlich: „Only do what is necessary“. Dieser Satz beschreibt die Methode, die dem Konzerterlebnis zugrunde liegt. Sie entbehrt der Gefälligkeit, sowie der Provokation. Die Teilnahme ist nicht <unterhaltsam> oder <spannend>, sondern der Sache dienlich / vernünftig / wie Casals es ausdrückt, „notwendig“. Um Missverständnisse zu vermeiden: Emotionen gehören zum Menschsein. Wir können und wollen sie nicht „wegdrücken“. Wie wir sie verwenden, können wir aber wählen.